Moldawien-Trip 2000

Die Geschichte mit Moldawien fing 1992 mit dem Gedanken an:"Wie wäre es, wenn wir mal ganz praktisch etwas tun, und nicht immer nur davon reden, dass man halt tun sollte?" Kurzentschlossen, durch den Kontakt zu einem Rumänen, sammelten wir Kleider und Schuhe, kauften uns eine Rumänienkarte und machten uns auf den Weg. Unser Einsatz wurde bei Weitem vergolten durch das, was wir erlebten. Keiner kann sich vorstellen, was es bedeutet in dankbare Kinderaugen zu schauen und zu erleben, dass Menschen auf das angewiesen sind, was wir überhaupt nicht mehr brauchen.

Wieder zu Hause, wussten wir, dass wir nicht einfach aufhören konnten. Wenn wir wissen Gutes zu tun, und wir tun es nicht, dann wird es uns zur Sünde, sagt die Bibel. So entstand aus dem kleinen Anfang unsere jetzige Moldawien-Mission. Nach etwa fünf Jahren Einsatz in Rumänien öffnete uns der Herr eine Türe nach Moldawien. Dort arbeiten wir mit der staatlichen Blindenorganisation zusammen. Seit Anfang dieses Jahres unterhalten wir eine rumänische Familie, die sehr feine Christen sind, damit sie vollzeitlich den Blinden und sehbehinderten Menschen dienen können. Wer irgendwie die Möglichkeit hat, einmal mitzukommen, der kann sich vergewissern, dass der Herr uns mit wahrhaften Perlen zusammengeführt hat, mit einem klaren Ruf für diese Arbeit.

Seit April organisiert Vasile einen Mittagstisch für die Ärmsten der Armen und neu wollen wir ein Projekt starten, welches den Blinden und sehbehinderten ermöglicht, gratis zum Arzt und zum Zahnarzt zu gehen.

All die vielen Jahre hindurch können wir nur staunen. Gott segnet unsere Arbeit. Er versorgt uns mit allem was wir brauchen. Es geht darum, dass Menschen dem lebendigen Gott begegnen und ewiges Leben erhalten.

Ein anderer Punkt, der mich immer wieder neu motiviert Ferieneinsätze zu planen, ist der, zu sehen, dass Gott immer und an jedem der mitkommt grosse Veränderungen bewirkt. Niemand kann dieser grossen Not, aber auch der grossen Freude und Dankbarkeit begegnen, ohne verändert zu werden. Na, ob du wohl das nächste mal dabei bist?

Ursi

Unser Team

Die Vision für unsere Reise nach Moldawien bestand darin, dass es eine Reise näher zu Gott werden sollte. Das war genau das, was ich wollte, näher bei Gott sein. Als ich mich entschloss mitzufahren, wusste ich noch nicht auf was ich mich da einliess, ich wusste nur, dass der Herr wollte, dass ich ging. Oft habe ich gebetet, weil ich wusste, dass wir einiges erreichen konnten, wenn wir wirklich für Gott gingen. Mein Ja für sein Wirken hatte er, aber ob das genügen würde....?!

Anfangs hatte ich ziemliche Schwierigkeiten mit allem. Alles war neu und unbekannt, die Fahrt war anstrengend und mit so vielen Leuten auf so engem Raum zu sein, hat nicht nur Vorteile.

Die Reise war aber nicht so sehr Kulturschock wie erwartet. Im Gegenteil, wir waren alle total begeistert von den Landschaften, den Leuten, den Dingen um uns herum. Unser Ziel war Cahul, dort sollten wir die nächsten zwei Wochen verbringen, bei zwei Missionaren, Vasile und Ica Dinca.

Leider mussten wir bald merken, dass die Fassade dieses Landes nicht ganz der Wahrheit entsprach. Wir machten viele Hausbesuche bei Blinden und Armen. Wir sahen Dinge, die ein normaler Tourist nie gesehen hätte. Viele Arme wollten uns zum Essen einladen, dabei konnten sie sich selbst kaum über Wasser halten, aber für sie war es das Grösste uns irgendetwas zu bieten, um uns eine Freude zu machen. Wir sangen dann jedes Mal ein paar rumänische Lieder, die wir gelernt hatten und beteten anschliessend. Vasile, der uns die ganze Zeit über begleitete, sprach über Gott und seine unvergleichbare Liebe zu uns Menschen. Er tat das so ganz natürlich und völlig unverkrampft. Man merkte, wie sein Herz für Gott schlägt, für Gott und für die Menschen um ihn her. Es kam nicht selten vor, dass die Menschen anfingen zu weinen, einfach nur weil wir da waren und uns Zeit für sie nahmen. Sie hatten ja sonst niemand, der sich um sie kümmerte.

Jeden Morgen, bevor wir etwas unternahmen, sprachen wir darüber, was uns beschäftigte, beteten zusammen und legten den ganzen Tag in Gottes Hände. Diese Gebetszeiten waren ein wichtiger Teil unseres Einsatzes und auch ein entscheidender Faktor für den Tag, der jeweils vor uns lag. Ich glaube, jeder von uns wurde in dieser Zeit hart in die Schule genommen.

Was mich vor allem tief beeindruckte, war unser letzter Tag in Cahul. Wir besuchten ein Kinderlager, das mit lauter Heimkindern durchgeführt wurde. Wir wurden dort erwartet, und schnell sass die ganze Gruppe diszipliniert vor uns und wartete darauf, was wir ihnen zu bieten hatten. Auch dort sangen wir Lieder, sprachen über Gott und verteilten Farmerstengel. Danach bekamen wir die Möglichkeit uns unter die Kinder zu mischen um uns persönlich mit ihnen anzufreunden. Einige von uns spielten mit ihnen Spiele, die ihnen völlig neu waren, und sie machten mit Begeisterung mit. Es war auch ganz leicht, mit ihnen über Gott zu reden. Sie hörten zu und waren offen. Diese Kinder und ihr Vertrauen, ihr kindlicher Glaube, haben mir persönlich sehr viel über mich klargemacht.

Nun sitze ich wieder zu Hause in meinem Zimmer und denke über die Zeit in Moldawien, die wir zusammen verbracht haben, nach. Ich glaube, ich kann wirklich aus ganzem Herzen sagen: nachdem, was wir dort gesehen und erlebt haben, können wir nicht mehr dieselben sein. Wir sind Gott wirklich näher gekommen.

Sehr bemerkenswert an Vasile und seiner Frau ist, wie sehr sie sich ihrer Verpflichtungen bewusst sind. Seit sie verheiratet sind, gingen sie niemals abends ins Bett ohne zusammen zu beten. Sie hatten auch wirklich so manche Kämpfe zusammen auszufechten. Sie sind sich ihrer Verantwortung bewusst. In ihrem Umfeld ist die sichtbare Not viel grösser. Wir hier in der Schweiz müssen unsere Augen öffnen, und sehen, dass die Suche nach Gott hier genau so gross ist.

Sarah

Vasile dient einer blinden Frau

Vier volle Teller stehen auf dem Tisch, nicht angerührt. Die Teenies sind bereits wieder draussen, am Spielen. Die Leiterin der Kantine, die diese Speisen wieder abräumen muss, kann es wohl nicht verstehen - in einem Land, wo Hunger für die meisten zum Alltag gehört. Am Tisch in der Nähe des Eingangs sitzt eine kleine, schlanke, alte Frau. Zu Fuss ist sie jeden Tag dreiviertel Stunden hierher unterwegs. Sie isst hier und bringt danach ihrem blinden Ehemann sein Essen nach Hause. Vasile trägt seinen leeren Teller mit dem kleinen, abgenagten Lammknochen zum Buffet. Am Tisch, ganz am Rand der Kantine steht ein Bettler auf. Er hatte dort eine Suppe gegessen. Jetzt hält er Vasiles Arm, mit beiden Händen, redet auf ihn ein. Vasile gibt ihm den Teller mit dem abgenagten Knochen, und er gibt ihm fünf Stücklein Brot dazu. Offensichtlich ist der Mann überzeugt, am abgenagten Knochen noch Fleisch zu finden. Welten prallen aufeinander. Das Essen war gut, aber eben nicht, was sich zwei Drittel der mit uns reisenden Teenies gewöhnt sind. Vierzig der Ärmsten unter den Armen Moldawiens dürfen jeden Tag hierher kommen. Sie erhalten hier eine warme Mahlzeit, weil jemand in der Schweiz dafür pro Monat siebzig Franken einzahlt. In Moldawien ist das nicht wenig Geld. Vasile erklärt, es sei hier unmöglich einem behinderten Vater oder einer blinden Mutter ein Mittagessen zu geben, wenn zu Hause Kinder hungern. Deshalb erhält, wer in der Schweiz einen Paten findet, Essen für die ganze Familie. Nach dem Essen hält mich ein Mann an. Er weint, spricht von seiner Not, zeigt mir seine Rentenberechtigung. Fünfundsechzig Lei, lese ich, erhält er pro Monat. Zweieinhalb Lei kostet ein Pfund Brot. ... Im Sommer wachsen Gemüse und Früchte in den vielen Gärten. Die Leute leben in dieser Jahreszeit gut davon. Aber dieses Jahr hat es drei Monate lang nicht geregnet. Viel Getreide war ohne Frucht. Die Sonnenblumen sind ganz klein, und der Mais wird wohl nicht mehr ausreifen können. Schon in Rumänien, auf der Herreise, haben wir von dieser Not gehört. Wir haben um Regen gebetet. Am nächsten Tag hatte es geregnet. Wir beten auch hier und seit mehreren Tagen regnet es immer wieder! Der Herr ist treu! Trotzdem gibt es Leute hier, die mit vielen Hungertoten für den nächsten Winter rechnen, wegen der Missernte. Beten wir, dass der Herr auch hier ein Wunder vollbringt.

Wie uns Gott bereits in der Vorbereitungszeit in den Sinn legte, war die Reise nach Moldawien nicht nur eine Reise um den Menschen hier zu dienen. Es war auch eine Reise näher zu Gott. Kaum jemand unter uns, der nicht von Gott persönlich berührt und näher zu sich gezogen worden war. Bei einigen der jungen Leute haben die Eltern gestaunt über die Veränderung, die Gott im Leben ihres Kindes gewirkt hat. Aber was uns am meisten freut, ist, dass sie auch jetzt, nach unserer Rückkehr, diesen Weg, nahe bei Jesus, weitergehen!

Norbert